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Untenrum Magazin
Geschlechtskrankheiten, medizinisch als sexuell übertragbare Infektionen (STI) bezeichnet, kommen häufiger vor, als viele denken. Das Bundesgesundheitsministerium hält fest, dass STIs jeden treffen können und manche Infektionen im Verlauf sogar lebensbedrohlich werden können, wenn sie unbehandelt bleiben 2. Das Besondere beim Mann: Viele STIs verlaufen über Monate hinweg ohne spürbare Symptome, werden also weder bemerkt noch behandelt, obwohl die Infektion übertragen werden kann. Gleichzeitig steigen die Fallzahlen: In Deutschland wurden 2024 etwa 11,2 Syphilis-Fälle pro 100.000 Einwohner gemeldet, ein Höchststand 1. Dieser Artikel gibt einen Überblick über die häufigsten Geschlechtskrankheiten beim Mann, erklärt typische Symptome und zeigt, wann ein STI-Test sinnvoll ist.
Was sind Geschlechtskrankheiten?
Als Geschlechtskrankheiten werden Infektionskrankheiten bezeichnet, die in erster Linie durch sexuellen Kontakt übertragen werden 2. Der Oberbegriff lautet sexuell übertragbare Infektionen (STI) oder englisch: sexually transmitted infections. Erreger können Bakterien (Chlamydien, Gonokokken, Treponema pallidum bei Syphilis), Viren (HPV, Herpes-simplex-Virus, HIV, Hepatitis B und C) oder Parasiten (Trichomonaden, Filzläuse, Krätzemilben) sein 2, 3.
STIs sind keine seltenen Erkrankungen. Die Plattform Liebesleben, eine Initiative der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, betont, dass STIs so häufig vorkommen, dass viele Menschen im Laufe ihres Lebens mindestens einmal betroffen sind 3. Allein für Chlamydien schätzt das Robert Koch-Institut jährlich rund 300.000 Neuinfektionen in Deutschland; bei fehlender Meldepflicht dürfte die tatsächliche Zahl noch höher liegen 4. Für Syphilis meldete das RKI für 2024 etwa 11,2 Fälle pro 100.000 Einwohner, mit weiter steigender Tendenz 1.

Die häufigsten Geschlechtskrankheiten beim Mann
Chlamydien
Chlamydien (Chlamydia trachomatis) sind die am häufigsten diagnostizierte bakterielle STI in Deutschland 4. Bei Männern verläuft die Infektion in bis zu 50 Prozent der Fälle asymptomatisch. Wenn Symptome auftreten, zeigen sie sich typischerweise als leichtes Brennen beim Wasserlassen, wässriger oder schleimiger Ausfluss aus der Harnröhre und ein Druckgefühl in den Hoden.
Unbehandelt kann eine Chlamydieninfektion beim Mann zur Epididymitis führen, einer Entzündung des Nebenhodens, die mit Hodenschmerzen, Schwellung und Fieber einhergeht und im schlimmsten Fall die Fruchtbarkeit beeinträchtigen kann 4. Chlamydien lassen sich gut mit Antibiotika behandeln; Partner sollten gleichzeitig mitbehandelt werden.
Gonorrhö (Tripper)
Gonorrhö, umgangssprachlich Tripper, wird durch die Bakterien Neisseria gonorrhoeae verursacht 2. Beim Mann ist das Erkrankungsbild meist deutlicher als bei der Frau: Eitriger, gelblich-grüner Ausfluss aus der Harnröhre morgens (sogenannter „Bonjour-Tropfen"), Brennen beim Wasserlassen und Schmerzen im Bereich der Harnröhre sind typische Zeichen.
Auch Gonorrhö kann asymptomatisch verlaufen, besonders bei rektaler oder pharyngealer Infektion (After, Rachen). Die Fallzahlen steigen: In Europa verzeichnet das European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) seit Jahren zunehmende Gonorrhö-Meldungen, auch in Deutschland 4. Besorgniserregend ist die wachsende Zahl antibiotikaresistenter Gonokokken-Stämme.
Syphilis (Lues)
Syphilis verläuft in Stadien und kann bei Nichtbehandlung über Jahre hinweg schwere Organschäden verursachen 2. Im Primärstadium entsteht typischerweise ein schmerzloser, derber Geschwür (Primäraffekt) an der Eintrittsstelle des Erregers, meist an Eichel, Vorhaut oder im Analbereich. Da er nicht schmerzt, bleibt er oft unbemerkt und heilt von selbst ab.
Im Sekundärstadium, Wochen bis Monate später, kommt es zu einem nicht juckenden Hautausschlag am ganzen Körper (auch an Handflächen und Fußsohlen), Lymphknotenschwellungen und grippeähnlichen Beschwerden. Syphilis ist gut mit Penicillin behandelbar, je früher, desto besser. In Deutschland sind vor allem Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), überproportional betroffen 4.
Genitalherpes
Genitalherpes wird durch das Herpes-simplex-Virus Typ 2 (HSV-2), seltener Typ 1 (HSV-1), verursacht 2. Die Erstinfektion äußert sich durch schmerzhafte Bläschen und Geschwüre im Genitalbereich, häufig begleitet von Brennen, Schwellung und Allgemeinsymptomen wie Fieber und Abgeschlagenheit. Nach dem Abklingen verbleibt das Virus lebenslang im Körper und kann, besonders bei Stress oder geschwächtem Immunsystem, in Schüben reaktiviert werden.
Herpes ist nicht heilbar, aber mit antiviralen Medikamenten (Aciclovir, Valaciclovir) gut kontrollierbar. Auch ohne sichtbare Symptome kann das Virus übertragen werden (asymptomatisches Shedding).
HPV und Feigwarzen
Das Humane Papillomvirus (HPV) zählt zu den weltweit häufigsten sexuell übertragbaren Infektionen 3. Beim Mann kann es Feigwarzen (Condylomata acuminata) sowie, bei Hochrisiko-Typen, Krebserkrankungen im Anal-, Penis- und Oropharynxbereich verursachen. Ausführliche Informationen dazu finden sich im Artikel zu HPV beim Mann.
Hepatitis B
Hepatitis B ist eine virale Leberentzündung, die sexuell übertragen werden kann 2. Sie ist in Deutschland impfpräventabel: Die STIKO empfiehlt die Impfung als Standardimpfung im Kindesalter, bei Erwachsenen mit erhöhtem Risiko als Indikationsimpfung. Eine unbehandelte chronische Hepatitis B kann langfristig zu Leberzirrhose oder Leberkrebs führen.
Trichomoniasis
Trichomoniasis wird durch den Parasiten Trichomonas vaginalis verursacht 3. Beim Mann verläuft die Infektion meistens asymptomatisch oder mit milden Beschwerden wie leichtem Juckreiz, Ausfluss oder Brennen beim Wasserlassen. Trichomoniasis ist mit Antibiotika (Metronidazol) gut behandelbar und wird oft im Rahmen eines STI-Screenings mitentdeckt.
HIV
HIV (Humanes Immundefizienz-Virus) ist die schwerwiegendste sexuell übertragbare Infektion und zählt zu den wichtigsten Themen der sexuellen Gesundheit 2. HIV wird vor allem durch ungeschützten Anal- und Vaginalverkehr übertragen. Eine Infektion bleibt oft jahrelang symptomlos, deshalb ist das Testen der einzige sichere Weg, den eigenen Status zu kennen. Mit einer modernen antiretroviralen Therapie (ART) lässt sich die Viruslast auf nicht nachweisbare Werte senken. Eine Person mit dauerhaft nicht nachweisbarer Viruslast überträgt das Virus nicht sexuell (U=U: undetectable = untransmittable) 2. Wer einem erhöhten HIV-Risiko ausgesetzt ist, kann durch die Prä-Expositions-Prophylaxe (PrEP) wirksam geschützt werden.
Weitere STIs
Zu den weiteren, weniger häufigen, aber relevanten STIs zählen Lymphogranuloma venereum (LGV, eine aggressive Chlamydien-Variante), Scabies (Krätze), Filzläuse, Molluscum contagiosum (Dellwarzen) sowie in Ausnahmefällen importierte Erkrankungen wie Donovanosis 4. Besonders MSM (Männer, die Sex mit Männern haben) sollten sich über spezifische Risikoprofile und Schutzmaßnahmen beraten lassen, etwa beim ärztlichen Bereitschaftsdienst, der AIDS-Hilfe oder in einer Beratungsstelle für sexuelle Gesundheit.
Typische Warnsignale: Wann an eine STI denken?
Viele STIs verlaufen beim Mann ohne eindeutige Symptome. Dennoch gibt es Warnsignale, die eine ärztliche Abklärung nahelegen 2, 3:
- Brennen oder Schmerzen beim Wasserlassen
- Ungewöhnlicher Ausfluss aus Harnröhre, After oder Rachen
- Wunden, Bläschen, Geschwüre oder Ausschlag im Genitalbereich
- Juckreiz, Rötung oder Schwellung an Eichel, Vorhaut oder Hodensack
- Geschwollene, schmerzhafte Hoden oder Nebenhoden (mögliche Epididymitis)
- Lymphknotenschwellungen in der Leistenbeuge
- Allgemeinsymptome wie Fieber und Abgeschlagenheit ohne erkennbare Ursache
Wichtig: Das Fehlen von Symptomen schließt eine Infektion nicht aus. Wer ungeschützten Sex hatte oder einen neuen Sexualpartner hatte, sollte im Zweifelsfall testen lassen.

STI-Test beim Mann: Wer, wann, wie?
Ein STI-Test ist ein einfacher, diskret durchführbarer Schritt, und für viele Infektionen ist die Frühbehandlung entscheidend für den Heilungsverlauf 1. Zuständige Anlaufstellen sind Urologen, Hautärzte (Dermatologen), Allgemeinmediziner und spezialisierte Beratungsstellen für sexuelle Gesundheit.
Was wird getestet? Je nach Risikoprofil und Symptomen umfasst ein STI-Screening Urinproben (für Chlamydien und Gonorrhö), Blutabnahmen (für Syphilis, HIV, Hepatitis B/C) und Abstriche aus Harnröhre, Rachen oder Analbereich 1, 4.
Heimtests: Apotheken und Online-Anbieter bieten STI-Selbsttests für unter 100 Euro an. Laut Experten können sie für asymptomatische Personen als Erstscreening sinnvoll sein, ersetzen aber keine ärztliche Untersuchung bei Symptomen, da die Handhabung fehleranfällig ist und positive Ergebnisse immer ärztlich bestätigt und behandelt werden müssen 1.
Wann testen? Als Faustregel gilt: nach einem ungeschützten Sexualkontakt mit unbekanntem Partner, bei neuen Symptomen im Intimbereich, nach einer bekannten STI-Diagnose eines Partners oder als regelmäßiges Screening bei häufig wechselnden Partnern.
Testintervalle: Für Männer mit häufig wechselnden Partnern empfehlen Experten ein Screening alle drei bis sechs Monate. MSM sollten regelmäßig auf Syphilis, Gonorrhö, Chlamydien und HIV getestet werden; das Robert Koch-Institut empfiehlt hier ein Intervall von drei Monaten 4. Selbst ohne Symptome und Risikokontakte ist ein Jahrestest für sexuell aktive Männer ab 25 Jahren eine sinnvolle Maßnahme.
Kostenübernahme: STI-Tests bei begründetem Verdacht (Symptome oder bekannter Kontakt) werden in der Regel von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen. Vorsorgetests ohne konkreten Anlass müssen Patienten dagegen meist selbst zahlen; die Kosten liegen je nach Umfang zwischen 50 und 200 Euro 1.
Schutz vor Geschlechtskrankheiten
Kondome reduzieren das Übertragungsrisiko für viele STIs deutlich, allerdings nicht vollständig, da HPV, Herpes und Syphilis auch über nicht bedeckte Hautareale übertragen werden können 3. Regelmäßige Kommunikation mit Partnern über den eigenen STI-Status und gemeinsame Testtermine gelten als wichtiger Baustein einer verantwortungsvollen Sexualgesundheit. Die effektivsten Schutzmaßnahmen im Überblick:
Impfungen: Für HPV (Gardasil® 9) und Hepatitis B stehen wirksame Impfungen zur Verfügung. Bei MSM mit erhöhtem Risiko empfiehlt das RKI zudem die Hepatitis-A-Impfung 4.
PrEP (Prä-Expositions-Prophylaxe): Für Personen mit hohem HIV-Risiko ist die medikamentöse Prä-Expositions-Prophylaxe eine wirksame Option: Sie verhindert eine HIV-Infektion, wenn täglich eingenommen 2.
Regelmäßiges Testen: Frühzeitige Diagnose schützt nicht nur die eigene Gesundheit, sondern unterbricht auch Übertragungsketten zu Partnern.
Hygiene im Genitalbereich: Eine intakte Hautbarriere im Intimbereich ist kein vollständiger Schutz gegen STIs, aber ein wichtiger Grundbaustein der Körperpflege. Dermatologisch empfohlen sind pH-neutrale Syndets (pH 4,5–5,5), die die natürliche Schutzflora der Haut nicht angreifen, im Gegensatz zu herkömmlicher Seife mit zu hohem pH-Wert. Mikroverletzungen oder gereizte Haut können das Eindringen von Erregern begünstigen.
Häufig gestellte Fragen zu Geschlechtskrankheiten beim Mann
Welche Geschlechtskrankheit kommt beim Mann am häufigsten vor?+
Was ist eine Epididymitis und wie hängt sie mit STIs zusammen?+
Können Geschlechtskrankheiten ohne Symptome vorliegen?+
Schützen Kondome zuverlässig vor Geschlechtskrankheiten?+
Wo kann ich mich auf Geschlechtskrankheiten testen lassen?+
Sind Geschlechtskrankheiten heilbar?+
Quellen
[1] Apotheken Umschau – STI-Tests für zu Hause. Wort & Bild Verlag. apotheken-umschau.de
[2] Bundesgesundheitsministerium – Sexuell übertragbare Infektionen (STI). BMG. bundesgesundheitsministerium.de
[3] Liebesleben – Sexuell übertragbare Infektionen. BZgA. liebesleben.de
[4] Robert Koch-Institut – Sexuell und durch Blut übertragene Infektionen (STI). RKI. rki.de
