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Untenrum Magazin
Fast jeder Mensch infiziert sich im Laufe seines Lebens mit dem Humanen Papillomvirus. So lautet eine der zentralen Aussagen der Fachliteratur zu HPV 3. Beim Mann verläuft die Infektion in den meisten Fällen völlig unbemerkt und heilt ohne Behandlung ab. Das macht HPV beim Mann zu einem Thema, das leicht unterschätzt wird: Wer keine Symptome hat, denkt nicht ans Testen und überträgt das Virus dennoch auf Sexualpartner. Dieser Artikel erklärt, wie HPV beim Mann übertragen wird, welche Erkrankungen es auslösen kann, was ein HPV-Test beim Mann wirklich leistet und warum die HPV-Impfung auch für Jungen und Männer relevant ist.
Was ist HPV?
HPV steht für Humane Papillomviren, eine Virusfamilie mit über hundert verschiedenen Typen, von denen einige die Haut und Schleimhäute des Genitaltrakts, des Mund-Rachen-Raums und des Analbereichs befallen 3. Medizinisch werden die HPV-Typen in zwei Risikogruppen eingeteilt 3:
Niedrigrisiko-HPV (Low Risk): Die Typen 6 und 11 verursachen Feigwarzen (Condylomata acuminata) im Genital- und Analbereich. Sie sind gutartig und führen nicht zu Krebserkrankungen.
Hochrisiko-HPV (High Risk): Die Typen 16 und 18 sowie weitere wie 31, 33 und 51 sind mit der Entstehung von Krebserkrankungen assoziiert. Beim Mann betrifft das vor allem Anal-, Penis- und Oropharynxkarzinome.
Die wichtigste Grundeigenschaft von HPV: In der überwältigenden Mehrheit der Fälle verschwindet eine HPV-Infektion von selbst, ohne jede Behandlung 3. Das Immunsystem eliminiert das Virus, oft ohne dass die betroffene Person jemals etwas davon gemerkt hat. Problematisch wird es, wenn das Virus persistiert, also dauerhaft im Körper verbleibt.

Wie wird HPV beim Mann übertragen?
HPV wird durch direkten Haut- und Schleimhautkontakt übertragen 1. Die Übertragung erfolgt in den meisten Fällen beim Geschlechtsverkehr (Vaginal-, Anal- und Oralverkehr), aber auch enger Körperkontakt ohne Penetration kann ausreichen, um das Virus weiterzugeben 1, 2.
Kondome verringern das Übertragungsrisiko deutlich, bieten aber keinen vollständigen Schutz: HPV kann auch über Hautbereiche übertragen werden, die vom Kondom nicht bedeckt sind, etwa Hodensack, Leiste oder Anus 1.
Eine besonders wichtige Eigenschaft des Virus: Infizierte Männer können HPV auf ihre Sexualpartnerinnen und Sexualpartner übertragen, auch wenn sie selbst keinerlei Symptome zeigen und sich gesund fühlen 2. Viele wissen gar nicht, dass sie Träger des Virus sind. Das macht HPV zu einer der am weitesten verbreiteten sexuell übertragbaren Infektionen überhaupt 2.
Die Inkubationszeit, also die Zeit bis zum Auftreten erster Symptome wie Feigwarzen, beträgt bei Low-Risk-HPV typischerweise 2 bis 3 Monate, kann aber bis zu 8 Monate betragen 1. Bei Hochrisiko-HPV können Jahre oder Jahrzehnte vergehen, bis sich (wenn überhaupt) Veränderungen zeigen.
Welche Erkrankungen kann HPV beim Mann auslösen?
Die Spannbreite möglicher HPV-assoziierter Erkrankungen beim Mann ist größer als oft angenommen:
Feigwarzen (Condylomata acuminata)
Feigwarzen sind die häufigste sichtbare Manifestation einer HPV-Infektion beim Mann 1. Sie entstehen durch Low-Risk-HPV (Typen 6 und 11) und treten als blumenkohlförmige Wucherungen an Penis, Hodensack, Eichel, Anus oder Mund-Rachen-Raum auf. Feigwarzen sind gutartig, aber hochansteckend. Eine Übertragung auf Sexualpartner ist bis zur vollständigen Abheilung möglich. Ausführliche Informationen zu Feigwarzen finden sich im separaten Artikel zu Feigwarzen beim Mann.
Analkrebs
Laut Stiftung Männergesundheit erkranken in Deutschland jährlich etwa 950 Männer an Analkrebs, der in den meisten Fällen durch High-Risk-HPV verursacht wird 2. Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), haben ein statistisch erhöhtes Risiko für HPV-assoziierte Analkarzinome.
Oropharynxkarzinom (Mund- und Rachenkrebs)
Weit weniger bekannt ist, dass HPV auch Krebs im Mund- und Rachenraum auslösen kann. Die Stiftung Männergesundheit berichtet von über 9.000 Männern pro Jahr in Deutschland, die an Mund- und Rachenkrebs erkranken, mit steigender Tendenz 2. HPV 16 gilt dabei als einer der wichtigsten Auslöser. Die Infektion entsteht häufig durch Oralsex.
Peniskrebs
Peniskrebs ist selten, aber nicht zu vernachlässigen. Rund 40 bis 50 Prozent der Peniskarzinome gelten als HPV-assoziiert, wobei HPV 16 der am häufigsten nachgewiesene Typ ist 2. Typische Frühzeichen sind nicht heilende Wunden, Verhärtungen oder Verfärbungen an Eichel oder Vorhaut. Veränderungen, die viele Männer lange ignorieren.
Anale intraepitheliale Neoplasien (AIN)
Abseits des manifesten Analkarzinoms gibt es eine Vorstufe: die anale intraepitheliale Neoplasie (AIN). Dabei handelt es sich um Zellveränderungen der Analschleimhaut, die, ähnlich wie zervikale Dysplasien bei Frauen, über Jahre zu Krebs fortschreiten können. Männer, die Sex mit Männern haben, sowie immunsupprimierte Männer (z. B. mit HIV) sollten regelmäßige anoskopische Kontrolluntersuchungen in Betracht ziehen 2.
Insgesamt erkranken in Deutschland jährlich etwa 2.900 Männer an HPV-bedingten Krebsarten, über alle Lokalisationen summiert 4.
Symptome: Wann HPV sichtbar wird und wann nicht
Die große Mehrheit aller HPV-Infektionen beim Mann verläuft vollständig asymptomatisch 3. Das Immunsystem bekämpft das Virus still: keine Beschwerden, keine sichtbaren Veränderungen. Diese asymptomatischen Infektionen heilen in der Regel von selbst ab.
Wenn HPV Symptome verursacht, hängt das Bild stark vom betroffenen Typ ab:
Bei Niedrigrisiko-HPV sind die typischen Zeichen Feigwarzen im Genital- oder Analbereich: blumenkohlförmige, oft hautfarbene Wucherungen, die gelegentlich jucken oder leicht bluten 2, 3.
Bei Hochrisiko-HPV gibt es beim Mann in der Regel keine frühen Symptome. Veränderungen an der Schleimhaut oder des Gewebes, als Vorstufen möglicher Krebserkrankungen, werden oft nur zufällig oder erst im fortgeschrittenen Stadium entdeckt.
Ein schmerzhafter oder auffälliger Befund im Mund-Rachen-Raum, hartnäckige Schluckbeschwerden, Verhärtungen am Penis oder am Analbereich oder sichtbare Feigwarzen sind Anzeichen, die ärztlich abgeklärt werden sollten.
HPV-Test beim Mann: Was ist möglich?
Einen standardisierten HPV-Routinetest für Männer gibt es in Deutschland nicht. Weder RKI, AWMF noch die Deutsche STI-Gesellschaft empfehlen eine routinemäßige HPV-Diagnostik beim Mann, da ein positives Testergebnis beim asymptomatischen Mann in der Regel keinen Krankheitswert hat und keine therapeutischen Konsequenzen zieht 1.
Die Diagnose erfolgt daher in der Praxis anders 2:
Bei sichtbaren Feigwarzen stellt ein Dermatologe, Urologe oder Venerologe die Diagnose durch klinische Inspektion. Ein HPV-Typisierungstest ist dabei meist nicht notwendig.
Bei Schleimhautveränderungen im Analbereich, besonders relevant für MSM, kann eine Anoskopie (endoskopische Untersuchung des Enddarms) Vorstufen frühzeitig erkennen.
Bei Veränderungen im Mund-Rachen-Raum kann der Zahnarzt oder HNO-Arzt HPV-assoziierte Läsionen entdecken.
Bei Penisveränderungen (Verfärbungen, Verhärtungen, nicht heilende Wunden) ist eine Vorstellung beim Urologen sinnvoll.

HPV-Impfung für Männer und Jungen
Die wirksamste Maßnahme gegen HPV-assoziierte Erkrankungen ist die Schutzimpfung 4. Seit 2018 empfiehlt die STIKO (Ständige Impfkommission am RKI) die HPV-Impfung ausdrücklich auch für Jungen, nicht nur für Mädchen 4.
Empfohlenes Impfalter: 9 bis 14 Jahre, idealerweise vor dem ersten Sexualkontakt. In diesem Alter sind zwei Impfdosen ausreichend (Abstand 5 bis 13 Monate) 4. Ab 15 Jahren sind drei Dosen erforderlich.
Impfstoff: In Deutschland ist vor allem Gardasil® 9 gebräuchlich. Dieser neunvalente Impfstoff schützt gegen HPV-Typen 6, 11, 16, 18, 31, 33, 45, 52 und 58 und damit sowohl gegen die häufigsten Feigwarzen-Typen als auch gegen die wichtigsten Krebsauslöser. Laut RKI sind damit fast 100 Prozent der impfpräventablen HPV-Erkrankungen abgedeckt 4.
Kostenübernahme: Gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Impfkosten für Versicherte bis zum 18. Geburtstag vollständig 4. Viele Kassen erweitern diese Leistung freiwillig auf Versicherte bis 26 Jahre; ein Blick in die Leistungsübersicht der jeweiligen Krankenkasse lohnt sich.
Impfung im Erwachsenenalter: Auch wer die Impfempfehlung im Jugendalter verpasst hat, kann von der Impfung profitieren, sofern noch keine Infektion mit allen impfrelevanten HPV-Typen stattgefunden hat 4. In diesem Fall werden die Kosten von der Krankenkasse jedoch nicht standardmäßig übernommen.
Besonders empfohlen wird die Impfung für Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), sowie für Männer mit HIV oder geschwächtem Immunsystem, die ein erhöhtes Risiko für HPV-assoziierte Erkrankungen tragen 2.
Was können Männer sonst tun?
Die Impfung ist der stärkste Schutz, aber nicht die einzige Maßnahme. Kondome reduzieren das Übertragungsrisiko erheblich, auch wenn sie keinen vollständigen Schutz bieten 1. Regelmäßige STI-Checks beim Urologen oder in einer Beratungsstelle sind für sexuell aktive Männer sinnvoll, um andere übertragbare Infektionen frühzeitig zu erkennen.
Eine intakte Immunabwehr unterstützt den Körper dabei, HPV-Infektionen selbst zu eliminieren. Ausreichend Schlaf, gesunde Ernährung und der Verzicht auf Rauchen, das in Studien mit persistierenden HPV-Infektionen und langsamerer Viruselimination assoziiert wird, tragen dazu bei 3.
HPV und Partnerschaft
Eine neue HPV-Diagnose wirft bei Betroffenen und ihren Partnern viele Fragen auf. Zentral ist: Eine HPV-Infektion bedeutet nicht automatisch Untreue. Das Virus kann Jahre oder Jahrzehnte inaktiv im Körper verbleiben, bevor es sich erstmals manifestiert 3. Eine offene Kommunikation und gemeinsame Beratung beim Arzt oder in einer Beratungsstelle für sexuelle Gesundheit helfen dabei, unnötige Schuldgefühle zu vermeiden.
Partner von Menschen mit bekannter HPV-Infektion sollten ebenfalls an regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen denken, bei Frauen insbesondere den Gebärmutterhalsabstrich (Pap-Abstrich) 1.
Hygiene im Genitalbereich
Für die tägliche Pflege empfehlen Dermatologen pH-neutrale, duftstofffreie Produkte (pH 4,5–5,5), die die natürliche Hautbarriere des Genitals nicht schwächen. Herkömmliche Seife hat einen zu hohen pH-Wert und kann die Schutzflora der Haut beeinträchtigen, was die Haut anfälliger für Mikroinfektionen und Reizungen machen kann. Speziell entwickelte Syndets (synthetische Detergentien) im Hautschutz-pH reinigen gründlich, ohne die empfindliche Intimzone zu belasten. Eine gesunde Hautbarriere ist dabei kein Luxus, sondern eine sinnvolle Ergänzung zu allen weiteren Schutzmaßnahmen.
Häufig gestellte Fragen zu HPV beim Mann
Kann man HPV als Mann testen lassen?+
Kann HPV beim Mann von selbst verschwinden?+
Ist die HPV-Impfung auch für Männer sinnvoll?+
Kann HPV beim Mann Krebs verursachen?+
Schützen Kondome vor HPV?+
Ab welchem Alter sollten Jungen gegen HPV geimpft werden?+
Quellen
[1] Apotheken Umschau – Feigwarzen (Condylomata acuminata). Wort & Bild Verlag. apotheken-umschau.de
[2] Stiftung Männergesundheit – HPV bei Jungen und Männern. Stiftung Männergesundheit. stiftung-maennergesundheit.de
[3] Prof. Dr. Sommer – Humanes Papillomvirus (HPV). maennergesundheit.info. maennergesundheit.info
[4] Robert Koch-Institut – FAQ HPV-Impfung. RKI. rki.de
