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Untenrum Magazin
Kleine, perlförmige Knötchen mit einer Delle in der Mitte: Wer diese Hautveränderungen an Penis, Schambein oder Oberschenkel entdeckt, steht häufig vor Fragezeichen. Sind das Dellwarzen? Und wenn ja: Wie wurde man angesteckt, und was tun? Die gute Nachricht vorweg: Dellwarzen sind in den meisten Fällen harmlos und heilen bei gesundem Immunsystem auch ohne Behandlung ab. Das ändert aber nichts daran, dass sie gerade im Genitalbereich Klärungsbedarf haben: Für Partner und Partnerin ist die Ansteckungsgefahr bis zur Abheilung real, und manche der kleinen Knötchen können Jahrzehnte vor Feigwarzen oder anderen Erkrankungen kaum zu unterscheiden sein. Dieser Artikel erklärt, was Dellwarzen sind, warum sie bei Männern häufig im Intimbereich auftreten, welche Behandlungsmethoden existieren und wann ein Arztbesuch nicht aufzuschieben ist.
Was sind Dellwarzen?
Dellwarzen, medizinisch Molluscum contagiosum oder Mollusca contagiosa, sind eine virale Hautinfektion, die durch das Molluscum-contagiosum-Virus (MCV) ausgelöst wird 1. Dieses Virus gehört zur Familie der Pockenviren, gilt aber als harmlos: Es bleibt auf die Haut beschränkt und löst keine systemische Erkrankung aus.
Das charakteristische Erscheinungsbild sind kleine, kuppelförmige Hautknötchen von typischerweise 2 bis 5 Millimetern Durchmesser 1. Sie haben eine wächserne, oft weißlich-perlmuttartige Oberfläche und, das ist das entscheidende Erkennungsmerkmal, eine zentrale Vertiefung, die sogenannte Delle. In dieser Delle befindet sich eine hochinfektiöse, helle fettartige Masse, die Viruspartikel enthält 2.
Dellwarzen sind in erster Linie als Kinderkrankheit bekannt. Bei Erwachsenen treten sie jedoch gezielt in bestimmten Regionen auf, besonders häufig im Genitalbereich, an den Oberschenkeln und im Unterbauchbereich 1, 3.

Dellwarzen oder Genitalwarzen? Der Unterschied
Diese Frage stellen sich viele Betroffene, und sie ist berechtigt, denn beide Erkrankungen äußern sich durch Knötchen im Genitalbereich. Der entscheidende Unterschied liegt im Erreger und im Erscheinungsbild 3:
Dellwarzen (Molluscum contagiosum) entstehen durch Pockenviren. Sie sind klein, glatt, perlartig und haben die typische zentrale Delle. Sie wachsen selten über 5 mm hinaus und bleiben auf die Haut beschränkt.
Genitalwarzen (Kondylome) dagegen werden durch humane Papillomviren (HPV) verursacht. Sie sehen oft blumenkohlartig oder warzig-zerklüftet aus, haben keine Delle und können in manchen Fällen eine Vorstufe von Krebserkrankungen darstellen.
Im Zweifelsfall sollte immer eine dermatologische Abklärung erfolgen. Die Diagnose stellt ein Hautarzt in der Regel schon durch das typische klinische Bild 1.
Wie sehen Dellwarzen beim Mann aus?
Bei Männern erscheinen Dellwarzen im Erwachsenenalter am häufigsten an folgenden Stellen 1, 3:
- Schambein und Genitalbereich (Penisstamm, Vorhaut, Bereich um die Eichel)
- Oberschenkel-Innenseiten
- Unterbauch
- Analregion
Die Knötchen bilden sich einzeln oder in kleinen Gruppen, sind in der Regel schmerzlos und erzeugen gelegentlich leichten Juckreiz 2. In der Anfangsphase sind sie oft kaum zu sehen, stecknadelkopfgroß und hautfarben. Erst mit der Zeit nehmen sie das typische wächserne, perlmuttartige Aussehen an und vergrößern sich auf die charakteristischen 2 bis 5 Millimeter 1.
Bei Menschen mit gesundem Immunsystem bleiben die Knötchen auf wenige Millimeter beschränkt und befinden sich auf der Hautoberfläche. Wer unter einer Immunschwäche leidet, zum Beispiel durch HIV oder immunsuppressive Medikamente, kann größere und weiter verbreitete Läsionen entwickeln, manchmal bis zu 10–15 mm 1.
Eine weitere Besonderheit: Rund um bestehende Dellwarzen kann eine leichte Entzündungsreaktion der umgebenden Haut auftreten, die sogenannte Molluskum-Dermatitis. Sie äußert sich als gerötete, leicht schuppende Zone um die Knötchen herum und gilt manchmal als Zeichen einer beginnenden Immunantwort des Körpers 1.
Wann sollte man den Arzt aufsuchen? Dermatologen empfehlen eine Abklärung, sobald Knötchen im Genital- oder Analbereich auftreten, da in diesem Fall eine sexuelle Übertragung wahrscheinlich ist und auch andere sexuell übertragbare Infektionen ausgeschlossen werden sollten 2, 3.
Wie steckt man sich an?
Dellwarzen sind, wie der Name des Erregers schon andeutet, hochansteckend. Die Übertragung erfolgt ausschließlich von Mensch zu Mensch 2:
Direkter Hautkontakt ist der wichtigste Übertragungsweg. Bei Erwachsenen gilt Sexualkontakt laut der Techniker Krankenkasse als der häufigste Ansteckungsweg 4. Kondome bieten keinen vollständigen Schutz, da der Virus auch über Hautareale übertragen wird, die nicht von einem Kondom bedeckt sind.
Autoinokulation, also Selbstansteckung, geschieht durch Kratzen oder Reiben. Wer die Knötchen berührt und dann andere Körperstellen anfasst, verbreitet das Virus auf der eigenen Haut.
Indirekte Übertragung über gemeinsam genutzte Handtücher, Waschlappen, Badeschwämme oder Kleidung ist ebenfalls möglich, spielt bei Erwachsenen aber eine geringere Rolle 2.
Die Inkubationszeit, also die Zeit zwischen Ansteckung und ersten sichtbaren Knötchen, beträgt nach Angaben der Apotheken Umschau zwei Wochen bis hin zu mehreren Monaten 2. Das macht es oft schwierig, den genauen Ansteckungszeitpunkt nachzuvollziehen.
Dellwarzen entfernen: Behandlungsmethoden im Überblick
Eine wichtige Vorabinformation: Dellwarzen heilen bei Menschen mit intaktem Immunsystem oft auch ohne Behandlung ab, laut MSD Manual innerhalb von 6 Monaten bis zu 2 Jahren, in seltenen Fällen auch länger 1. Ein abwartendes Vorgehen ist daher prinzipiell eine Option.
Im Genitalbereich sprechen Dermatologen jedoch häufig eine Behandlungsempfehlung aus, da die Ansteckungsgefahr für Sexualpartner reduziert werden soll 1, 3. Folgende Verfahren stehen laut medizinischer Fachliteratur zur Verfügung:
Kürettage
Die Kürettage gilt als eine der am häufigsten angewandten Methoden 2. Dabei wird jedes Knötchen mit einem scharfen, löffelartigen Instrument unter örtlicher Betäubung (zum Beispiel EMLA-Creme oder 4% Lidocain, die 40–60 Minuten vor dem Eingriff aufgetragen wird) entfernt 1. Das Verfahren ist schnell und effektiv, erfordert aber einen Arztbesuch und kann bei zahlreichen Läsionen über mehrere Sitzungen verteilt werden.
Kryotherapie (Vereisung)
Bei der Kryotherapie werden die Knötchen mit flüssigem Stickstoff vereist. Das Gewebe stirbt ab und fällt nach einigen Tagen ab 2. Das Verfahren wird ebenfalls häufig eingesetzt und ist laut Fachliteratur gut verträglich 1.
Topische Wirkstoffe
Verschiedene äußerlich aufzutragende Mittel können angewandt werden. In der Fachliteratur werden unter anderem erwähnt 1, 2:
- Kaliumhydroxid (Kalilauge): In verdünnter Form zweimal täglich aufgetragen; wirkt zellauflösend
- Podophyllotoxin-Lösung: Hemmt die Virusvermehrung
- Imiquimod: Ein Immunmodulator, der die körpereigene Abwehr aktiviert; laut einer europäischen Leitlinie auch im Genitalbereich einsetzbar
Dermatologen weisen bei topischen Wirkstoffen im Genitalbereich auf erhöhte Hautreizungsrisiken hin, da die sensible Haut empfindlicher reagiert als an anderen Körperstellen 1. Welcher Wirkstoff infrage kommt und wie lange die Anwendung dauern soll, richtet sich nach dem individuellen Befund und sollte stets ärztlich abgestimmt werden.
Lasertherapie und Elektrokauterisierung
Als weitere Optionen nennt die Fachliteratur die Laserbehandlung sowie die Elektrokauterisierung (Veröden mit elektrischem Strom) 2, 4. Diese Verfahren werden vor allem bei ausgeprägteren Befunden, bei Läsionen an schwer zugänglichen Stellen oder bei Betroffenen mit Immunschwäche eingesetzt. Der Zugang zu diesen Verfahren ist von Praxis zu Praxis unterschiedlich; nicht alle Dermatologen bieten Laserbehandlungen für Dellwarzen an.

Wie läuft die Diagnose beim Hautarzt ab?
Die Diagnose von Dellwarzen stellt ein Dermatologe in der Regel durch einfache Sichtprüfung: Das charakteristische Erscheinungsbild, perlartige Knötchen mit zentraler Delle, ist für einen erfahrenen Hautarzt eindeutig erkennbar 1. Eine Laboruntersuchung oder Biopsie ist meist nicht notwendig.
Im Genitalbereich sollte der Arztbesuch allerdings auch genutzt werden, um andere sexuell übertragbare Infektionen auszuschließen 2. Dellwarzen können zusammen mit anderen STIs auftreten, und die Übertragungswege sind oft identisch. Ein STI-Test gibt hier zusätzliche Sicherheit.
Falls der Befund atypisch aussieht, zum Beispiel besonders große Knötchen, ungewöhnliche Lokalisationen oder Begleitsymptome wie Fieber, können Dermatologen in seltenen Fällen eine Hautprobe (Biopsie) entnehmen, um die Diagnose unter dem Mikroskop zu bestätigen 1.
Nach der Diagnose besprechen Arzt und Patient gemeinsam, ob eine Behandlung sinnvoll ist und welches Verfahren am besten geeignet ist, abhängig von Anzahl, Lage und Größe der Läsionen sowie dem allgemeinen Gesundheitszustand.
Selbstheilung: Wann abwarten, wann behandeln lassen?
Laut der Techniker Krankenkasse ist bei Menschen mit gesundem Immunsystem eine spontane Ausheilung innerhalb von 6 bis 12 Monaten möglich 4. Das MSD Manual gibt einen etwas breiteren Rahmen von 6 Monaten bis zu 2 Jahren an, in Einzelfällen auch länger 1.
Abwarten kann sinnvoll sein bei:
Einzelnen Knötchen ohne Beschwerden an nicht-genitalen Körperstellen, gutem Allgemeinzustand mit intaktem Immunsystem und ausdrücklichem Wunsch nach einem konservativen Vorgehen. Auch dann gilt jedoch: Auf Kratzen verzichten, keine gemeinsamen Handtücher nutzen, Sportkontakt einschränken.
Aktive Behandlung wird in der Fachliteratur häufig empfohlen bei 1, 2:
Dellwarzen im Genital- oder Analbereich stehen oben auf der Liste, wegen des erhöhten Ansteckungsrisikos für Sexualpartner. Gleiches gilt bei ausgeprägtem Juckreiz oder Entzündungszeichen, bei immungeschwächten Personen sowie bei starker psychischer Belastung durch den Befund. Im Genitalbereich ist auch die Unsicherheit über den Partner-Schutz ein Argument für eine zeitnahe Behandlung. Hinzu kommt, dass das Warten auf Selbstheilung im Intimbereich bedeutet, über Monate oder Jahre auf Sexualkontakt verzichten zu müssen, für viele ein wenig praktikables Szenario.
Ein wichtiger Hinweis der Fachliteratur: Selbstversuche, also das Aufdrücken oder Aufstechen der Knötchen zu Hause, werden von Dermatologen nicht empfohlen, da dabei infektiöser Inhalt auf die umliegende Haut gelangt und die Ausbreitung beschleunigt werden kann 2. Auch Wundinfektionen durch unsauberes Vorgehen sind möglich.
Was tun, um weitere Ausbreitung zu verhindern?
Wer Dellwarzen hat, kann mit einigen konsequenten Verhaltensmaßnahmen verhindern, dass sich die Knötchen weiter ausbreiten oder auf andere Personen übertragen werden.
Kein Kratzen, kein Drücken. Dermatologen raten generell davon ab, die Knötchen selbst aufzudrücken oder aufzukratzen, auch wenn der Juckreiz verleitet. Durch den Kontakt mit dem hochinfektiösen Inhalt verbreiten sich die Viren auf angrenzende Haut und das Risiko von Sekundärinfektionen steigt 2.
Persönliche Hygieneartikel nicht teilen. Handtücher, Waschlappen, Rasierer und Kleidungsstücke sollten konsequent für sich allein genutzt werden 4. Auch gemeinsame Badewannen sollten mit Vorsicht betrachtet werden.
Im Schwimmbad und in der Sauna vorsichtig sein. Dellwarzen-Viren überleben auf feuchten Oberflächen. Badeschuhe, das Mitbringen des eigenen Handtuchs und der Verzicht auf direkten Körperkontakt in der Sauna verringern das Risiko 4.
Sexualkontakte bis zur Abheilung meiden. Da Kondome keinen sicheren Schutz bieten, empfehlen Fachleute, bis zur vollständigen Abheilung der genitalen Läsionen auf Sexualkontakt zu verzichten 3.
Auf die Hautpflege achten. Eine intakte Hautbarriere erschwert dem Virus das Eindringen in neue Areale. Bei trockener oder ekzematöser Haut, die als Risikofaktor gilt, hilft regelmäßige rückfettende Pflege 2. Im Intimbereich sollten Reinigungsprodukte mild und ohne aggressive Duftstoffe sein, um die empfindliche Hautflora nicht zu stören. Produkte mit niedrigem pH-Wert (4,5–5,5), wie sie Dermatologen für die Intimreinigung empfehlen, unterstützen die natürliche Schutzfunktion der Haut und schaffen keine irritierte Hautoberfläche, über die Viren leichter eindringen könnten. Auf stark alkalische Seifen und aggressive Duschgels sollte im Genitalbereich generell verzichtet werden.
Häufig gestellte Fragen zu Dellwarzen beim Mann
Sind Dellwarzen ansteckend?+
Was ist der Unterschied zwischen Dellwarzen und Feigwarzen?+
Können Dellwarzen von selbst weggehen?+
Welcher Arzt behandelt Dellwarzen?+
Schützen Kondome vor Dellwarzen?+
Sind Dellwarzen gefährlich?+
Quellen
[1] MSD Manual – Molluscum contagiosum. Merck & Co. msdmanuals.com
[2] Apotheken Umschau – Dellwarzen (Mollusca contagiosa): Symptome und Behandlung. Wort & Bild Verlag. apotheken-umschau.de
[3] OnlineDoctor – Dellwarzen (Molluscum contagiosum). OnlineDoctor AG. onlinedoctor.de
[4] Techniker Krankenkasse – Was sind Dellwarzen?. TK. tk.de
